Stechen wir in See!

Mensch, das war ja rührend, wie wenig Negatives dabei herauskam, als wir euch in den Vorab-Interviews nach eurer Meinung zu Kiel gefragt haben. „Ich mag den Norden, ich mag die direkte Art!“ Wäre es irgendwie mit unserem plattdeutschen Temperament vereinbar, würden wir glatt rot werden. Solchen Vorschusslorbeeren eine ganze Woche lang gerecht werden zu müssen, kann einem fast Sorgen bereiten. Nachher findet ihr noch heraus, dass das Leben hier oben keine gemütliche Flens-Werbung in Dauerschleife ist! („Du Hein, was ist dein Lieblingstier?“ – „…der Zapfhahn.“) Es wäre schlimm, wenn ihr enttäuscht wieder abfahrt und euren Eltern erzählt, dass auch nördlich der Elbe das Leben irgendwie doch dasselbe ist. Das wäre tragisch, ja, aber ein echter Seemann lässt sich von solchen Gedanken gar nicht erst erschüttern. Dann ballern wir zusammen eben eine Kieler Woche aufs Parkett, die sich gewaschen hat. Beim heutigen Auftakt auf dem Rathausmarkt entzünden wir die Nordlichter in euch und blenden all die anderen Nebelkerzen aus, die einem irgendwelche Klabautermänner in den Kopf setzen wollen. Bei uns im Norden ist Hafen und Multikulti Programm. Unser Schiff zeigt Flagge und segelt ganz gemächlich in die richtige Richtung. Gemeinsam werden wir zur Regatta, die in unruhiger See ein Zeichen setzt für norddeutsche Gelassenheit. Willkommen in Kiel!

Irre witzig

Solltet ihr Angst haben, die SDL-Veranstalter schlürfen im Jacuzzi Sekt, während ihr in der Jugendherberge Küchendienst habt, können wir euch beruhigen. Wir nutzen die SDL-Woche, um unser eigenes Existenzminimum auszutesten und haben dafür mit dem Jugenddorf Falckenstein eine einmalige Anlaufstelle gefunden! Als könnten sie kein Wässerchen trüben, schmiegen sich die Hütten der Siedlung dicht aneinandergedrängt an die Uferböschung der Kieler Förde. Man kann förmlich hören, wie grauhaarige Kreuzfahrer auf den vorbeigleitenden Schiffen ihrer dritten Ehefrau ins Ohr raunen: „Da schau an, wenn wir 30 Jahre jünger wären, würde ich uns im nächsten Sommer auch so ein Häuschen mieten!“ Nie im Leben. Wie der Scheinriese in Michael Endes Jim Knopf schrumpfen die romantischen Sehnsüchte nach Ursprünglichkeit immer weiter in sich zusammen, je näher man der Eingangstür eines dieser Verschläge kommt. Spätestens wenn man vor den langen Brettern mit Matratzen steht und sich vergeblich nach einem Bett umschaut, ist vom Duft der Freiheit nur noch ein abgestandener Lagermief übriggeblieben. „Da wurden damals 1972 die Olympioniken untergebracht, ich finde das irre witzig, das ist ein bisschen wie beim Zelten!“ An solchen Äußerungen merkt man, dass unser Theaterleiter Andi aus dem letzten Jahrtausend kommt. Was ist denn bitte am Zelten witzig? Aber nein, wir wollen uns nicht beschweren. Wir brauchen keine Heizung! Duschen, in denen man aufrecht stehen kann? Come on! Wir werden der ganzen Welt zeigen, dass wir uns von First-World-Problems nicht unterkriegen lassen! Wir haben ja eine Mission! Flagge zeigen! Dafür gehen wir gerne mit 12 Leuten auf eine genderneutrale Toilette und so. Wenn ich vor dem Einschlafen von einem geheizten Hotelzimmer träume, bringt mich der Satz, der über Niels Bett an die Dachschräge geschmiert ist, wieder zurück in die Realität: „Juckt mich am Arsch!!!“ Ist doch alles halb so wild, wir machen kein Theater.

Ein derbes Moin Moin von der Waterkant!

Diesen Herbst wird es politisch und wo heutzutage Politik ist, darf eines nicht fehlen: Ganz großes Drama! Unter dem Motto „Flagge zeigen!“ hat das diesjährige Schultheater der Länder dazu aufgerufen, Farbe zu bekennen für… ja für was eigentlich?

Für Freiheit?                                                                                                                            „Haben wir doch! Mit Handgepäck und Easyjet für 30,76€ nach Rom!“

Für Gleichheit?                                                                                                                „Voll nice so, meine Freunde hören auch die gleiche Musik irgendwie!“

Für Brüderlichkeit?                                                                                                             „Normal, Bruder! Zu 6. Im Mercedes, weil alle Jungs müssen mit!“

Sind das die Antworten, die wir als Generation „Head-Down“ heute noch zu bieten haben, oder werden uns solche Klischees nicht gerecht?

An dieser Frage zu arbeiten ist vielleicht das wichtigste beim diesjährigen SDL – wichtiger als der Wettbewerb, wichtiger als die Show. Trotzdem müssen wir keinen todernsten Politik-Kongress draus machen, sondern erreichen wahrscheinlich sogar mehr, wenn wir einfach zusammen ein offenes und lebendiges Festival gestalten. Dieser Blog will mit Hintergründen, Eindrücken und fairen Rezensionen dazu beitragen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen                            – das Rampenlicht gehört Euch!

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Eure SDL-Blogredaktion 2018

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Willkommen zum SDL 2018 in Kiel. Dies ist der erste Beitrag. Wir freuen uns Dich bald in Kiel begrüßen zu dürfen.
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