Das gibt blaue Flecken

Das Saarland spielt „Master of Puppets“ im Schauspielhaus

Aufgrund verspäteter Busse geht die Vorstellung erst nach einer zehnminütigen Verspätung los. Vor der Bühne sitzt einer der „Puppenmeister“ und muss die Verzögerung mit einem Standbild überbrücken. Als es dann losgeht, dirigiert er zunächst mit telepathischen Kräften Musikinstrumente, die hinter ihm ein anderer Darsteller bespielt. Dies demonstriert bereits seinen Einfluss, welcher im Laufe des Stückes noch eine zentrale Rolle einnehmen wird. Denn genau darum geht es: Wer hat am meisten Macht? Wie wird diese Macht benutzt? Bedeutet Macht auch Glück?

Im Laufe der Vorstellung duellierten sich mehrere Puppenmeister, von denen es anfangs zwei gibt – einen auf der Bühne und einen auf einem Gerüst. In ihrem Wettstreit geht es darum, wer mehr Macht besitzt und wer sie besser ausspielt. Unter anderem spielt eine Reihe von Szenen in einer Psychiatrie, in der die Patienten und Wächter mit Puppen-Make-up zu sehen sind. Ein Patient dreht durch, ein Wächter bzw. Arzt kommt herein und gibt ihm eine Art Medizin, die ihn dazu zwingt, von seinem Leben vor der Psychiatrie zu erzählen. So geht es dann eine ganze Weile weiter – leider. Es wird von zu vielen verschiedenen Personen erzählt, sodass am Ende keine Spannung mehr da ist und man den Texten nicht mehr gut folgen kann. Manchmal hat man das Gefühl, dass die Saarländer möglichst viel Aggressivität und Gewalt in das Stück eingebaut haben, um damit den Spannungsbogen möglichst hoch zu halten. Dadurch machen sie das Stück zwar bildlich interessant, aber teilweise werden die „Puppen“ so ruckartig gegen die Bühnenwand geschleudert, dass die Darsteller einem eher leidtun. Man möchte gar nicht wissen, wie viele Blaue Flecken am Ende einer Aufführung auf ihrer Haut zu sehen sind.

Ein Aspekt, der zwischendurch immer mal wieder nicht recht zum Thema passt, ist die Lautstärke der Monologe. Oben auf dem Gerüst wird oft etwas zu leise gesprochen, was das Verstehen der Texte schon in der zweiten Reihe schwierig gestaltet. Dieses Lautstärkedefizit ist sehr schade, da das Gefühl der Macht auf diese Art nicht gut vermittelt werden kann, worunter die Glaubwürdigkeit des Stückes leidet.

Das Ende des Stückes wird dann mit einer Szene eingeleitet, welche die Saarländer selbst „Königsszene“ nennen. Alles geschieht sehr schnell. Die Puppen realisieren, dass jede von ihnen ein Individuum ist und entkommen deshalb. Woher die plötzliche Einsicht kommt, kann nicht eindeutig festgestellt werden. Auch die Fragen, die am Anfang des Stückes gestellt werden – zum Beispiel ob Macht glücklich macht – bleiben offen und können höchstens schwammig beantwortet werden.

Interview-Whatsappgruppe, Saarland (PDF-Version)

 

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